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  • Pressemitteilung vom 20.08.2015

    Tageseinrichtungen für Kinder: Bildungsregion und Zoom bitten um Zustimmung für Datennutzung

    Das OK soll bis Anfang September vorliegen – Vorarbeit für ersten Bildungsbericht hat begonnen

    Mit der Zielsetzung, im Sommer 2016 den ersten Bildungsbericht für Südniedersachsen vorzulegen, haben die Bildungsregion Göttingen und „Zoom“ - Gesellschaft für prospektive Entwicklungen (Sitz: Göttingen) mit vorbereitenden Arbeiten für die Aufnahme und Bewertung von Daten begonnen. Nach gemeinsamer Vorbereitung hat die Bildungsregion Mitte August insgesamt 315 Einrichtungen aus dem frühkindlichen Bereich um Zustimmung für die Nutzung der Daten zu geben, die Bildungsregion und Zoom vom Landesamt für Statistik. Alle Kommunen aus den drei südniedersächsischen Landkreisen wurden als Träger von Krippen, Horten und Kindertagesstätten angeschrieben und um Rückäußerungen bis Anfang September gebeten. Gleiches gilt für kirchliche und „freie“ Träger von Tageseinrichtungen.

    Hintergrund der Aktion: Bildungsregion und Zoom wollen den Aufwand bei den Bildungsakteuren für deren Beteiligung an der Erstellung des Bildungsberichts so gering wie möglich halten. Es soll vermieden werden, dass jede einzelne Einrichtung gebeten werden muss, Daten beispielsweise über Maßnahmen zur Sprachförderung zur Verfügung zu stellen. Stattdessen haben die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und der Landesschulbehörde einen Weg gesucht, so viele relevante Daten wie möglich über das Landesamt für Statistik zu beschaffen. Um diese Daten für Südniedersachsen abrufen und auswerten zu können, ist jedoch das Einverständnis der jeweiligen Träger erforderlich. Je schneller die Erklärungen vorliegen, desto zügiger können die Vorarbeiten fortgesetzt werden.

    Vergleichbare Anschreiben an die Schulträger der Region werden in der zweiten Augusthälfte versandt.

  • Pressemitteilung vom 15.04.2015

    Vom Bauchgefühl zum Bildungsmonitoring

    Warum Daten und Fakten zur Verbesserung der Qualität von Bildung beitragen können – Auf dem Weg zur staatlich kommunalen Verantwortungsgemeinschaft

    Es gibt schlechtere Ratgeber als das Bauchgefühl. Allerdings auch bessere, deutlich bessere. Wer als Bildungspolitiker seit Jahren die eigene Stadt und den eigenen Landkreis unter jugend- und schulpolitischen Aspekten im Blick hat, weiß ganz gut, an welchen Stellschrauben zu drehen ist, wenn die Qualität von Bildung verbessert werden soll. Doch das Bessere ist immer der Feind des Guten. „Ganz gut“ reicht eben nicht mehr aus, wenn es um die Grundlagen einer Politik geht, die sich einerseits der Bedeutung guter Bildung für jegliche gesellschaftliche Entwicklung bewusst, und die andererseits dem Diktat knapper öffentlicher Ressourcen verpflichtet ist.

    Der Anspruch lautet also: Aus dem Vorhandenen mehr machen, oder anders ausgedrückt: Politik zu treiben auf der Basis des besten verfügbaren Wissens, Fakten einzubeziehen, wenn das „Bauchgefühl“ mal wieder versucht, den Navigator zu spielen. Also das Buchgefühl zu ergänzen um den Aspekt „Bildungsmonitoring“ und im Abstand von zwei bis drei Jahren Bildungsberichte vorzulegen. Die Bildungsregion Göttingen im Regionalverband Südniedersachsen hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit „Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen“ für die drei Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode am Harz sowie die Stadt Göttingen im Jahr 2016 den ersten Bildungsbericht für die Region vorzulegen.

    Mit diesem Vorgehen verfolgen die Akteure einen ganz einfachen Anspruch: Wer sich auch auf kommunaler Ebene dafür einsetzt, dass Kinder und Jugendliche vom frühkindlichen Bereich bis hin in die berufliche Ausbildung möglichst optimal gefördert wird, der braucht Daten und Fakten über den Ist-Zustand des Bildungswesens: Anteil der Kinder, die Sozialgeld beziehen, Anteil der früh bzw. spät eingeschulten Kinder, Entwicklung des Sprachförderbedarfs von Jungen und Mädchen in Kindertagesstätten, Übergangsquote von der Grundschule auf weiterführende Schulen, Anzahl der Klassenwiederholungen: Es gibt hunderte von Indikatoren wie diese, aus denen sich Aussagen ableiten lassen zur Beschreibung des Bildungswesens einer Gemeinde, eines Landkreises oder einer Region.

    Die meisten der für ein professionelles Bildungsmonitoring erforderlichen Daten liegen vor – und zwar bei Schulen, in Schulämtern und Gesundheitsämtern ebenso wie in der Landesschulbehörde und beim Landesamt für Statistik. Aufgabe von Zoom und Regionalverband ist es nun, aus dem Materialwust die wichtigsten Indikatoren herauszufiltern, die Daten zusammenzustellen und aufzubereiten und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Dabei geht es nicht um das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse der Bearbeiter, sondern schlicht um die Frage, welche Daten die Verantwortlichen in der Kommunalverwaltungen und der Kommunalpolitik brauchen, um die „richtigen“ bildungspolitischen Maßnahmen zu ergreifen. Also dort tätig zu werden, wo der bildungspolitische „Ertrag“ möglichst hoch ist. Dabei ist klar: Mit der für das Frühjahr 2016 vorgesehenen Vorlage des ersten Bildungsberichts ist es nicht getan – es kommt vielmehr darauf an, dass die Verantwortlichen aus den Handlungsempfehlungen Schlüsse ziehen. Deshalb haben sich Zoom und Regionalverband vorgenommen, den Weichzeichner gar nicht erst zur Hand zu nehmen, vielmehr das Bildungswesen so zu skizzieren, wie es ist. Klar und ehrlich. Mit seinen Stärken, aber eben auch mit seinen Schwächen.

    Damit wird Bildungsmonitoring zu einem Daten und Indikatoren gestützter Beobachtungs- und Analyseprozess, der in den nächsten Jahren zum bestimmenden Faktor für eine „gute“ Bildungspolitik in Südniedersachsen wird. Der daraus abgeleitete Bildungsbericht wird zur Stichtagsanalyse, die in der Regel in einem Abstand von drei Jahren aktualisiert wird.

    Bildungsmonitoring unterscheidet sich ganz grundlegend von der Schulentwicklungsplanung. Deren Aufgabe ist es, aktuelle und zukünftige Schülerzahlen zu bewerten und Prognosen für den Schulträger hinsichtlich Schulstandorten, Klassengrößen und Raumbedarf abzuleiten. Während die Schulentwicklungsplanung schulorientiert erfolgt, arbeitet Bildungsmonitoring mit räumlichem oder teilräumlichen (Kommunen bis hinunter zu Stadtteilen) Bezug. Bildungsmonitoring macht Output orientiert Aussagen über die Qualität von Bildung. Durch die Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Quellen generiert der Bildungsbericht neue Informationen - ergänzende Erhebungen können in Ausnahmefällen (vor allem bei qualitativen Fragestellungen) erforderlich werden.

    Bildungsmonitoring auf regionaler Ebene macht natürlich nur dann Sinn, wenn es eine Kommune zu ihren originären Aufgaben zählt, mitverantwortlich für die Qualität von Bildung zu sein. Da die Kulturhoheit bei den Ländern liegt, ist die klassische Aufgabe des Schulträgers zunächst die Sicherstellung einer sachliche Ausstattung sowie in Teilen die Personalausstattung von Schulen. Qualität von Bildungseinrichtungen ist jedoch zunehmend ein zentraler Standortfaktor. Die Kommunen, die die Qualität von Bildung in den Fokus rücken und dies mit der Erarbeitung eines Bildungsmonitorings dokumentieren, verbessern im Wettbewerb um Fachkräfte und Bürger sowie um öffentliche und private Investitionen ihre Marktposition.

    Für den einzelnen Menschen ist Bildung der Zugang zur beruflichen und persönlichen Entwicklung und zu politischer Teilhabe. So haben der Regionalverband und das Niedersächsische Kultusministerium bereits im Jahr 2012 eine Vereinbarung über eine staatlich-kommunale Verantwortungsgemeinschaft für Bildung unterzeichnet. Darin wurde herausgestellt, dass Bildung eine Aufgabe ist, die Kommunen und die staatliche Ebene gemeinsam wahrzunehmen haben. Konkret unterstützt das Land seit 2007 die Bildung von Bildungsregionen. Seit 2011 auch durch die Abordnung einer halben, seit Februar 2015 durch zwei halbe Studienratsstellen für die Bildungsregion Göttingen.

    Das Kultusministerium hat in den vergangenen Monaten unter Beteiligung der kommunalen Spitzenverbände ein Rahmenkonzept für Bildungsregionen erarbeitet, das im Januar 2015 veröffentlich wurde. Danach ist der Aufbau eines kommunalen Bildungsmonitorings Grundlage für die angestrebte staatlich-kommunale Verantwortungsgemeinschaft. Kernaussage: Nur mit dem Bauchgefühl als Navigator werden alle Beteiligten dieser gemeinsamen Verantwortung nicht gerecht werden. Bildungsmonitoring und Bildungsbericht werden zu notwendigen, wenn auch nicht hinreichenden Bedingungen für ein leistungsfähiges Bildungswesen in der Bildungsregion Göttingen.

    Rüdiger Reyhn
    (erschienen im Newsletter I/1015 der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen – BIGS)

  • Pressemitteilung vom 19.12.2014

    Im Jahr 2016 erster Bildungsbericht für die Region Südniedersachsen

    Göttinger Kreistag und Schulausschüsse wollen mehr wissen über die Qualität von Bildung – Auftrag an Regionalverband und „Zoom“

    Göttingen. Die Debatte war engagiert, lebhaft und in Teilen kontrovers – und doch beschlossen die Mitglieder des Göttinger Kreistags im Verlauf der letzten Sitzung des Jahres 2014 einstimmig, dass künftig mit wissenschaftlichen Methoden überprüft werden soll, wie sich die Qualität von Bildung entwickelt. Dies soll anhand von Indikatoren erfolgen, die beispielsweise Aussagen dazu machen, wie sich der Sprachförderbedarf von Mädchen und Jungen in Kindertagesstätten entwickelt, wie hoch der Anteil zu früh oder zu spät eingeschulter Kinder ist und wie viele Kinder und Jugendliche in den Schulformen Klassen wiederholen. Der Kreistag will künftig insbesondere erfahren, ob die Übergänge von einem Bildungssektor in den anderen gelingen oder ob es Probleme gibt.

    Angaben zu Entwicklungen wie diesen werden in einem Bildungsbericht festgehalten, der im Rahmen eines mittelfristig angelegten Beobachtungsprozesses (Bildungsmonitoring) erstmals im Jahr 2016 vom Regionalverband Südniedersachsen und „Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen“ vorgelegt werden soll.

    Beide Partner werden Aussagen zur Qualität von Bildung nicht nur für den Landkreis Göttingen machen, sondern auch für die Stadt Göttingen und die Landkreise Osterode am Harz und Northeim. Damit entstehen innerhalb der Region Südniedersachsen Vergleichsmöglichkeiten, aber auch zu anderen Regionen und zu Durchschnittswerten auf Landes- und Bundesebene.

    Im Rahmen der „Bildungsregion Göttingen“ werden Regionalverband und Zoom vorhandene Daten aus ganz verschiedenen Quellen nutzen - dazu gehören das Landesamt für Statistik, das Kultusministerium und die Landesschulbehörde sowie die Kommunen selbst. Nur in Einzelfällen sollen gesonderte Datenerhebungen erfolgen.

    In seiner Vorlage für den Kreistag hatte der Göttinger Landrat Bernhard Reuter betont, dass das Bildungsmonitoring frühzeitiges Reagieren auf gesellschaftliche und demographische Tendenzen ermögliche. Es berücksichtige, dass sich die Qualität von Bildung zunehmend zu einem wichtigen Standortfaktor entwickelt habe. Wer sich dieser Herausforderung stelle, verbessere seine Marktposition im Wettbewerb um Fachkräfte und Bürger sowie um öffentliche und private Investitionen. Reuter: „Bildungsmonitoring ermöglicht einen ämterübergreifenden Blick auf Bildung und Erziehung. Die Kommunalpolitik wird in die Lage versetzt, ihre Entscheidungen auf der Basis des besten verfügbaren Wissens zu treffen“. Nicht zuletzt diene das Bildungsmonitoring einer Rechenschaftslegung gegenüber der Öffentlichkeit, inwieweit die angestrebten Ziele umgesetzt wurden.

    Foto Sigrid Jacobi
    Sigrid Jacobi

    Während der Kreistagssitzung wies die CDU-Politikerin Sigrid Jacobi darauf hin, dass es bereits jetzt eine Fülle von Daten gebe, die den Kreistagsentscheidungen zugrunde gelegt würden. Es bestehe die Gefahr, dass ein Bildungsbericht einen Wust an Daten hervorbringe, mit dem niemand mehr umgehen könne. Letztlich sei es aber, so Sigrid Jacobi weiter, richtig, sich einmal einen Bildungsbericht vorlegen zu lassen, um dann entscheiden zu können, ob die Aufgabe Bildungsmonitoring auch mittel- und langfristig wahrgenommen werden soll.

    Foto Krenz, Gerl-Plein, Dinges
    Renate Krenz, Maria Gerl-Plein, Lothar Dinges

    Renate Krenz von der SPD, Maria Gerl-Plein von Bündnis 90/Die Grünen und Lothar Dinges von den Freien Wählern wiesen auf die Chancen hin, die für den Landkreis Göttingen und die gesamte Region Südniedersachsen mit dem Bildungsmonitoring verbunden seien. Dieses Instrument, das inzwischen national und international immer häufiger genutzt werde, trage dazu bei, dass personelle und sächliche Ressourcen möglichst effizient eingesetzt würden. Bildungsmonitoring schaffe zudem eine gute Grundlage für Zuschussanträge bei Land, Bund und EU.

    Im November und Dezember hatten sich auch die Schulausschüsse der Landkreise Northeim und Osterode und der Stadt Göttingen für die Erarbeitung eines ersten Bildungsberichts ausgesprochen. Das Bildungsmonitoring soll nach Angaben des Regionalverbandes rund 83.000 Euro kosten. Alle vier Gebietskörperschaften haben für die für 2015 erforderlichen Mittel in ihre Haushaltspläne eingestellt.

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