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Pressemitteilung vom 28.04.2010

„Schulsystemdebatte hat in Göttingen ihre Grundlage weitgehend verloren“

Bildungsexperte Peter Brammer legt Untersuchung über Allgemeinbildende Schulen im Stadtgebiet vor – Lehrerversorgung als zentrales Problem

Pressefoto
Peter Brammer
Göttingen.

„Die Göttinger Schullandschaft erfüllt die bildungspolitischen und gesellschaftspolitischen Zielvorgaben in hervorragender Weise:“ Zu diesem Schluss kommt der Bildungsexperte Peter Brammer in einer Studie, die er im Rahmen der „Bildungsregion Göttingen“ als Lehrbeauftragter des Pädagogischen Seminars der Uni Göttingen gemeinsam mit mehreren Studierenden erarbeitet hat. Nach diesen Erhebungen besuchen fast 85 Prozent der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs ab Klasse 5 Schulen, die sich zwar in ihren Profilen unterscheiden, aber nach ihrem Auftrag direkt (Gymnasien) oder überwiegend (Gesamtschulen) zum Abitur führen. Rund zwei Drittel eines Schülerjahrgangs in den Allgemeinbildenden Schulen erwirbt mit dem Abitur die Hochschulreife. Brammer ist der Auffassung, dass damit zumindest im Göttinger Stadtgebiet die traditionelle Schulsystemdebatte mit ihren Disputen zwischen Befürwortern und Gegnern des gegliederten Schulsystems „ihre faktische Grundlage weitgehend verloren“ hat.

Während eines Pressegesprächs beim Regionalverband Südniedersachsen betonte Brammer, die Auswertung der Ergebnisse des Zentralabiturs habe für die Göttinger Schulen exzellente und weit über dem Landesdurchschnitt liegende Ergebnisse zutage gefördert. Mit Ausnahme einer Hauptschule seien alle Schulen der Sekundarstufen I und II Ganztagsschulen oder aber Schulen mit einem Ganztagsangebot. Brammer: „Wir haben nachgewiesen, dass in Göttingen weniger als zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler die Allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss verlassen.“ Angesichts der Angebotsvielfalt und der Gleichwertigkeit des Schulangebots hätten die Schullaufbahnempfehlungen der Grundschulen ihren selektiven Charakter verloren. Die Schulen insgesamt hätten sich stark für die Verbesserung der Schulqualität engagiert. Andererseits habe der Stellenwert von Bildung bei Eltern und Schülern, aber auch in der Öffentlichkeit, stark zugenommen.

Erheblichen Handlungsbedarf sieht Brammer jedoch bei der Lehrerversorgung. Der Bildungsexperte: „An einer von uns näher untersuchten Schule hat das Land die Lehrerversorgung in den vergangenen 15 Jahren um zwanzig Prozent reduziert – bei gleich bleibender Schülerzahl.“ Die faktische Unterversorgung führe zu einer permanenten Überbelastung der Lehrkräfte und berge Gefahren für die Unterrichtsqualität.

In seiner Studie fordert Brammer eine Schulentwicklungs- und Bildungsplanung unter Einbeziehung der Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode am Harz. Die Ergebnisverantwortung für den Schulerfolg müsse verbindlich gleichermaßen auf Schule, Schüler und Eltern übertragen werden.

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