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Pressemitteilung vom 04.12.2010

Gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen bietet Vorteile für alle

Bildungskonferenz zur Inklusion an der BBS Einbeck – 360 Konferenzteilnehmer diskutieren über UN-Konvention und die Folgen

Pressefoto
Einbeck/Göttingen.

Der in vielen anderen europäischen Staaten übliche gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen bietet Vorteile für alle Beteiligten. Viele Studien zeigen, dass inklusiver Unterricht keinesfalls mit einem Niveauverlust bei Kindern ohne Behinderungen einhergeht. Vielmehr werden ihre soziale Kompetenzen gestärkt: Im Verlauf einer Bildungskonferenz der „Bildungsregion Göttingen“ in der BBS Einbeck hat sich der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz für die rasche Umsetzung der 2006 verabschiedeten und inzwischen vom Bundestag ratifizierten UN-Konvention zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen ausgesprochen.

Foto Prof. Dr. Preuss-LausitzVor 360 Gästen in der Aula der BBS forderte der an der TU Berlin lehrende Wissenschaftler Landesregierungen und Kommunalpolitik auf, ohne weitere Verzögerungen die Voraussetzungen für die „inklusive Schule“ zu schaffen. So könnten Lehrerinnen und Lehrer im „laufenden Betrieb“ weitergebildet werden. Die Kompetenzen von Förderschulpädagogen müssten an den Allgemeinbildenden und den Berufsbildenden Schulen genutzt werden – dort sollten auch zur außerschulischen Vernetzung Zentren für unterstützende Pädagogik eingerichtet werden. Preuss-Lausitz: „Wichtig ist, dass die Eltern einbezogen werden und dass eine enge Verbindung mit der Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendhilfe und den Selbsthilfeeinrichtungen erfolgt.“

Foto Dr. Edith Brugger-Paggi, Dr. Susanne Abram

Dass diese Forderungen in der Praxis umsetzbar sind, zeigten die Berichte von Dr. Edith Brugger-Paggi und Dr. Susanne Abram von der Uni Bozen. In Südtirol gibt es seit 30 Jahren keine Förderschulen mehr – alle Kinder eines Jahrgangs werden gemeinsam unterrichtet. Dazu Oliver Bollmann, Leiter der Integrativen Haupt- und Realschule Clausthal-Zellerfeld: „Es ist nicht vertretbar, die Menschen nach Behinderungsarten aufzuteilen. Auch bei uns wird sich die Förderschule deshalb auflösen. Die Frage ist nur: Wann.“

Karl-Ludwig von Danwitz, schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, kündigte an, dass 2011 dazu ein Gesetzentwurf verabschiedet werden solle. Zum Sommer 2012 würden dann alle Grundschulen umgestellt. Sukzessive würden auch alle folgenden Schulformen inklusiv gestaltet. Von Danwitz: „Eine Belohnung der Schulen, die freiwillig früher beginnen wollen, wird es allerdings nicht geben.“

Foto Oliver Bollmann, Karl-Ludwig von Danwitz

Frauke Heiligenstadt forderte für die SPD-Landtagsfraktion, die Regelungen zur Inklusion in den Gesetzentwurf zur Schaffung der neuen Oberschulen in Niedersachsen zu integrieren. Alle Krippenplätze, die jetzt geschaffen würden, müssten bereits unter dem Aspekt der Inklusion geplant werden. Christian Grascha von der FDP forderte eine verbesserte Lehrerausbildung. Es sei eine große Leistung des Landes, wenn die Bildungsausgaben trotz deutlich sinkender Schülerzahlen konstant gehalten würden. Der Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Stefan Wenzel forderte, die vorhandenen Ressourcen gezielt für die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderungen einzusetzen. Die Sonderschulen für Lernbehinderte könnten ganz kurzfristig in die Regelschulen integriert werden.

Foto Frauke Heiligenstadt, Stefan Wenzel, Christian Grascha

Unterschiedliche Aspekte der Inklusion - beispielsweise zu den Forderungen an die Kommunalpolitik - wurden am Nachmittag in neun Workshops diskutiert. Jeweils zwei Impulsgeber setzten inhaltliche Schwerpunkte.

Landrat Michael Wickmann und Schulleiter Günter Dietzek hatten die Gäste begrüßt. Die Organisation lag bei der Göttinger Elterninitiative „EIFER“, dem Beirat für Menschen mit Behinderungen beim Landkreis Northeim, der BBS und dem Regionalverband Südniedersachsen.

Fotos: Dirk Spenn

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